Seit Urzeiten lebten Fischer am Mellensee, doch ihre Spuren und Geschichten haben die Jahrhunderte verschluckt. Namentlich bekannt sind nur die Fischer der jüngsten Vergangenheit:
Bis 1939 gehörte der Mellensee Fischer Piesnack. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges 1945 hatte Fischer Geissler am Nottekanal eine Verkaufsbude mit Frischfischverkauf. Ihm folgte Fischer Böttcher, der 1956 die Fischerei zur Produktionsgenossenschaft werktätiger Fischer (PwF) am Mellensee, genannt „Fortschritt“, erweiterte. Nach seinem Tode 1959 übernahm Fischer Wolfgang Schulzke die Leitung der PwF „Fortschritt“ bei dem auch Fischer Sombart lernte, der jetzt in Mellensee lebt und als Fischer am Kallinchener-See arbeitet.
Bis 1973 gab es Fischerei-Genossenschaften in Mellensee, Bestensee und Kolberg. Diese schlossen sich 1973 unter der Leitung von Fischer Schulzke zur Produktionsgenossenschaft werktätiger Fischer mit dem Namen „Dahmetal – Genossenschaft“ zusammen. Dazu gehörten weitere Seen und etwa 100 Mitglieder. Darunter die noch heute im Dorf Mellensee aktiven Fischer Jochen Gebauer (ab 1973), Kalle König (ab 1974), Lutz Ringpfeil (ab 1981) und Ralf Dowhaluk (ab 1985 zunächst als Lehrling). Ralf Dowhaluk hat heute die alleinigen Fischereirechte auf dem Mellensee und ist sozusagen der ‚Fischer vom Mellensee’.
Weit vor unserer Zeit fegten eisige Schneestürme über dieses Land, auf dem wir heute leben. Die gesamte nordische Erdkugel war von steinhart gefrorenen, meterdicken Gletschern bedeckt und es ist beinahe unglaublich, dass wir heute hier behaglich wohnen und durch die herrlichen Wälder spazieren gehen zu können.
Die Erde hat sich immer gewandelt und wird sich immer verändern, nichts bleibt wie es ist. Und so geschah es, dass sich die Erdumlaufbahn, wahrscheinlich durch einen Meteoriteneinschlag, veränderte; nur ganz wenig, kaum merklich. Die Erde stand von dem Augenblick an aber in einem anderen Winkel zur Sonne und das bewirkte, dass sich die obere Erdhälfte erwärmte. In unendlich langer Zeit schmolzen die gewaltigen Gletscher und das Schmelzwasser floß in die niedriger gelegenen Landschaften ab.
Wir leben auf dem Sand, den die Eismassen aus dem Nordosten mitbrachten. Die in grauer Vorzeit entstandenen und immer größer werdenden Gletscher dehnten sich aus und schoben durch ihr Anwachsen das Erdreich, auf dem sie fußten, vor sich her. Unser Mellenseer Gletscher stand im hohen Norden, vielleicht einmal in dem heutigen Finnland, auf Sand. Er wuchs und wuchs und schob "finnischen" Sand ohne Ende bis hier her.
Als das Eis schmolz, rann das Wasser ab und sammelte sich letztlich in der heutigen Ostsee. Die größten Rinnsale dieser Gegend, die von dieser Entwicklung zeugen, sind die Elbe, die Oder, die Havel, die Spree... Bis aber das Schmelzwasser seine Wege in diese großen Flüsse fand, musste es weitere verzweigte Rinnsale bilden. Diese kleinen Flüsse und Bäche ziehen bis zum heutigen Tag durch die Landschaft und einige von ihnen wurden zu künstlichen Schifffahrtslinien ausgebaut, zum Beispiel der Nottekanal.
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Als alles Eis geschmolzen war, blieb die Mark Brandenburg als ein riesiger Sandhaufen zurück. Sie liegt ungefähr vierzig Meter über dem Meeresspiegel und birgt eine wunderschön gelegene, weit verzweigte Seenplatte. Einer der schönsten und sehenswertesten Überbleibsel der Eiszeit ist der Mellensee, der sich in eine majestätische und prachtvolle Perlenkette aus Seen in die Landschaft einfügt.
Der Mellensee liegt im "Tal der ewigen Sonne", in Brandenburg, etwa dreißig Kilometer südlich von Berlin. Wenn rundherum Unwetter über die tiefen Kiefern- und Birkenwälder, über die übrige Seenlandschaft und die im Land verloren gegangenen kleinen Städte und Dörfer ziehen, lacht am Mellensee die Sonne. Sagt man dann zu den hier lebenden Menschen, das gibt Regen, oder es kommt ein Gewitter, so lachen die Leute nur und antworten mit einer wegwerfenden Handbewegung:
"Aber nicht bei uns am Mellensee!" und meistens behalten sie recht.
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Als das Klima in dieser Region der Natur gestattete, sich in der Form zu entwickeln, wie es sich für dieses Land gehört und wie man sie ähnlich vorfindet, wenn man weiter nach Nordosten kommt, begann hier ein buntes Leben. In den tiefen Wäldern fanden viele Wildtiere ihre Heimat. Ganz früher soll es hier sogar die nordischen Elefanten, die Mammuts gegeben haben. Wildrinderherden, Wisente (Ur´s), Wildpferde, Bären, Luchse, Wölfe, Herden von Elchen, Rentiere, Wildkatzen und natürlich die noch heute hier lebenden Tiere bevölkerten die Mark. In den kristallklaren Bächen und Seen sprangen große Fische aller Arten in den sonnendurchfluteten, von unzähligen Vögeln beheimateten Himmel. Es war ein Land wie im Märchenbuch, von dem uns heute glücklicherweise vieles erhalten geblieben ist.
Die ersten Menschen in diesem Schlaraffenland waren die, wie wir sie nennen, "Steinzeitmenschen". Die Neandertaler, die unter den einfachsten Bedingungen lebten. Sie waren die ersten Fischer am Mellensee. Mit Holzstäben, an deren Enden sie gefährlich spitze Steine befestigt hatten, standen sie im klaren Wasser und warteten auf einen vorbei schwimmenden Fisch. Blitzschnell und geschickt ließen sie ihre Harpunen hervorschnellen und schwupp, saß der arme Hecht oder Barsch aufgespießt am Stab. Oder die Menschen saßen geduldig am Ufer und hielten die aus getrockneten Därmen ihrer Beutetiere hergestellten Angelleinen ins Wasser. An den Enden dieser Leinen befanden sich Knochen mit Widerhaken, gespickt mit fetten Würmern. Vorwitzig, wie sie es bis zum heutigen Tage geblieben sind, schnappten die Zander oder Aale zu, um sich den fetten Köder zu holen, und ihr Ende war besiegelt.
Man sagt, die blauäugigen, rothaarigen Menschen haben die letzten Gene der Neandertaler in sich, sie sind sehr selten und sollten daher besonders sorgfältig behandelt werden.
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Später starb der Urmensch, der Neandertaler überwiegend aus oder der Homo sapiens sog ihn in sich auf und bemächtigte sich auch seines Lebensraumes um den Mellensee herum. Die ersten Menschenhorden kamen aus dem Osten, man nannte sie Slawen. Sie galten als Heiden, kannten viele Götter und verehrten die Natur in beseelten Dingen. Die Slawen bewahrten eine andere Kultur als sie in das Weltbild der Christen passte und wurden, wie viele Andersdenkende, verfolgt und vertrieben. Doch bevor die Christen kamen und so mächtig und stark wurden, wie sie es heute noch sind, siedelten die Slawen am Seeufer und betrieben natürlich Fischfang. Sie waren die zweite Menschengattung "der Fischer am Mellensee".
Bis vor rund tausend Jahren konnten sich die Slawischen Volksstämme hier im Osten Deutschlands halten, dann hatte sich das Christentum so sehr verbreitet, dass es die abendländische Welt beherrschte. Unter dem Vorwand, den Heiden den wahren Gott zu bringen, drangen die Christen in die Slawischen Regionen ein, in der einen Hand das Kreuz und in der anderen das Schwert.
Von den Slawen ist nicht viel übrig geblieben, ihre Kultur wurde so gut wie ausgelöscht. Doch einige Slawische Ortsnamen, wie zum Beispiel Saalow, das Mühlendorf der Gemeinde am Mellensee, zeugen von ihrer einstigen Geschichte.
Mit der Christianisierung kamen neue Siedler, Kolonisten, denen ihr alter Lebensraum im Westen zu eng geworden war. Sie brachten teilweise die Namen ihrer alten Heimat mit in das neue Land. So findet man hin und wieder noch heute den Herkunftsort der Gründer im Namen ihrer neuen Städte und Orte verewigt. Zum Beispiel heißt ein Stadtteil von Berlin "Neuköln".
Die Gruppe Menschen, die an den Mellensee kamen, nannten ihr neues Dorf Mellen, vielleicht nach ihrem Herkunftsort Mellrich bei Soest oder Melle bei Oldenburg. Vielleicht kamen sie aber auch aus der flämischen Stadt Melle, denn die Flamen hinterließen hier auch dem Fläming ihren Namen.
Aus dem Dorfsnamen Mellen wurde erst 1920 "Mellensee".
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Die Kolonisten jedenfalls waren glücklich, aus ihrer engen Heimat im Westen entkommen zu sein. Ihre Kultur, ihren Glauben und ihren Ehrgeiz brachten sie mit. Mit grenzenloser Tatkraft fällten sie Teile der Wälder, bauten ihre Häuser und Dörfer aus dem, was das Land hergab und mit allem, was sie vorfanden. Es wurden Schuster, Tischler, Sattler, Schmiede, Steinmetze, Bäcker, Krämer... und Fischer ansässig. Aus vielen Baumstämmen wurden kleine Boote gebaut, die das Seeufer befuhren. Am idyllisch schönen Mellenseeufer entstanden viele kleine Fischerkaten, die den Familien der Fischer ein Zuhause boten. Von den vielen Fischerfamilien sind heute immer noch vier in Mellensee zu finden, die hier arbeiten und wegen ihrer guten Erzeugnisse, Fisch aus den Seen der Region in den verschiedensten Variationen, bis weit über die Grenzen hinaus beliebt und bekannt sind.
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Wer mehr wissen will, über die Menschen, die das
"Dorf der Fischer" gründeten, kann weiter lesen in dem Buch: Liebe Grüße vom Mellensee, in der Legende "Der lange Zug gen Osten"
ISBN: 3-9810711-0-7, ab 2007
ISBN: 978-3-9810711-08,
erschienen im Verlag im Wildpark, Mellensee